Von Oliver Fritzsch, Beijing
People′s Daily Online sprach mit Petra Hedorfer, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Zentrale für Tourismus e. V. (DZT), über Digitalisierung, KI-Anwendungen, Nachhaltigkeit und Austausch im Tourismus.
Petra Hedorfer, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Zentrale für Tourismus e. V. (DZT) (Foto von DZT/Farideh Diehl)
Die DZT hat für deutsche Unternehmen zuvor eine China Digital Travel Knowledge Tour organisiert, bei der der Besuch mehrerer chinesischer Digitalunternehmen auf dem Programm stand. Laut Hedorfer hat es einen intensiven Erfahrungsaustausch mit führenden Technologie- und Touristikunternehmen gegeben. ?Auffallend war für uns, dass viele chinesische Unternehmen die Chancen der Digitalisierung nutzen, um verschiedene Gesch?ftsfelder miteinander zu verknüpfen und so sehr komplexe Leistungspakete für ihre Kunden zu entwickeln, beispielsweise Bezahlfunktionen mit Informationen über Produkte und Destinationen und Kommunikationskan?le zu koppeln. Die Selbstverst?ndlichkeit, mit der chinesische Konsumenten solche ?One-Stop-Services“ nutzen, war für uns au?erordentlich spannend. Hier haben wir weiteres Potenzial für vielf?ltige Kooperationen entdeckt.“ Mit der Trip.com-Group sei eine Erkl?rung über die künftige strategische Zusammenarbeit unterzeichnet worden und auch mit Alipay werde man die Kooperation ausbauen.
Auf die Frage nach dem Einsatz von KI im Tourismus und wie diese die deutsch-chinesische Zusammenarbeit im Tourismus f?rdern k?nne, sagte Hedorfer, dass die DZT ein Dateninfrastrukturprojekt entwickelt habe, ?in dem St?dte, Regionen, aber auch Unternehmen der Hospitality- und Mobility-Branche sowie touristische Dienstleister ihre Daten strukturiert und maschinenlesbar zur Verfügung stellen, um an KI-gestützten Services zu partizipieren. Dieser Knowledge Graph steht bereits für den Datenabruf zur Verfügung und wird st?ndig erweitert. Die Partner in chinesischen Unternehmen, mit denen wir über das Projekt gesprochen haben, sind sehr interessiert daran, diese Daten zu nutzen. So k?nnen beispielsweise für Individualtouristen aus den internationalen Quellm?rkten ma?geschneiderte Travel Guides kreiert und über verschiedene Kan?le zur Verfügung gestellt werden.“
Auf intelligente Tourismusst?dte und das Thema Mobilit?t angesprochen, ?u?erte Hedorfer sich ebenfalls positiv: Bei der Entwicklung intelligenter Smart Cities h?tten chinesische Unternehmen schon sehr viel erreicht, und besonders beim Thema autonome Mobilit?t seien die Fortschritte beeindruckend.
Bei der Entwicklung des Tourismus setzen sowohl Deutschland als auch China auf Nachhaltigkeit. Eine zentrale Ma?nahme der DZT sei die Initiative ?Stay a little bit longer“. Durch vielf?ltige Angebote und Tourenvorschl?ge sollen G?ste für l?ngere Aufenthaltsdauern in Deutschland begeistert werden. ?Das reduziert den anteiligen CO2-Footprint pro Reisetag und tr?gt zu einer besseren Verteilung der Saisonauslastung bei. Bezogen auf den Quellmarkt China hei?t das heute schon: Die Aufenthaltsdauer der Chinesen in Deutschland ist von 11,9 N?chten im Jahr 2019 auf 18,0 N?chte im Jahr 2023 gestiegen.“
Zu Reiseerleichterungen und der F?rderung des kulturellen Austauschs zwischen Deutschland und China sagte Hedorfer, dass der Tourismus ein gro?er Wirtschaftsfaktor sei, der Prosperit?t und Besch?ftigung schaffe. Reisen sei darüber hinaus ein ganz wesentliches Momentum für den kulturellen Austausch. Erst die pers?nliche Begegnung der Menschen ?ffne ihr Verst?ndnis für andere Kulturen. Sie sei damit die Basis für das friedliche Miteinander der Nationen und für V?lkerverst?ndigung. ?Unsere China Digital Travel Knowledge Tour war ein ganz wichtiges Signal der DZT, dass wir diesen Austausch wollen. Die Gespr?che mit dem Chinesischen Ministerium für Kultur und Tourismus, mit den Partnern der Reiseindustrie und auf der ITB Shanghai haben uns best?tigt, dass dieser Wille zum touristischen Austausch auf Gegenseitigkeit beruht.“
People’s Daily Online wollte auch noch wissen, welche Bedeutung der chinesische Markt für die Entwicklung des deutschen Tourismus hat und welche Ma?nahmen die DZT ergreifen wird, um mehr chinesische Touristen anzuziehen. Die China Digital Travel Knowledge Tour sei für die DZT der Auftakt einer Neujustierung ihrer Marktbearbeitung in China gewesen. Wesentliche S?ulen dafür seien die digitale Transformation, die Implementierung von KI-Anwendungen, beispielsweise in Chatbots mit aktuellen touristischen Daten des Reiselandes Deutschland aus unserem Knowledge Graphen. Auf dieser Basis werde man die Zusammenarbeit mit Partnern in der chinesischen Reiseindustrie intensivieren. ?Das gro?e Trendthema im chinesischen Markt ist eine weitere Individualisierung des Reiseverhaltens auf der Basis digitaler Technologien“, so Hedorfer.