Anfang dieses Monats lief der BYD Shenzhen, der weltweit zweitgr??te Autotransporter seiner Art, mit 6.817 Neufahrzeugen (NEVs) an Bord von China nach Europa aus. Dies markiert eine bemerkenswerte Ver?nderung auf dem weltweit gr??ten Automobilmarkt, der einst von europ?ischen Marken dominiert wurde.
Zwei Wochen sp?ter erreichte der chinesische Autohersteller BYD mit der Auslieferung seines 13-millionsten NEV einen bedeutenden Produktionsmeilenstein. Die Zahlen sprechen für sich: Allein im Jahr 2024 wurden laut offiziellen Angaben über zw?lf Millionen NEVs produziert und verkauft.
Chinas Wandel vom Automobilneuling zum Elektrofahrzeug-Giganten hat Jahrzehnte gedauert. 1985 gründete der deutsche Automobilhersteller Volkswagen in Shanghai zusammen mit SAIC Motor Chinas erstes chinesisch-ausl?ndisches Automobil-Joint-Venture. Sein Modell Santana erreichte innerhalb von zwei Jahren 10.000 Verk?ufe.
Europ?ische Autos waren einst der Ma?stab für chinesische Autohersteller, eine Realit?t, die BYD am eigenen Leib erfahren hat. Anfang 2004, damals noch als Batteriehersteller bekannt, sah BYD seinen ersten Prototypen mit dem Codenamen 316 nach einer überprüfung von den H?ndlern unverblümt als ?hoffnungslos“ abgelehnt. Dieser Rückschlag veranlasste das Unternehmen zu einer aggressiven Lernstrategie.
Besucher betrachten Fahrzeuge am Stand von BYD w?hrend der 2025 Guangdong-Hongkong-Macao Greater Bay Area International Auto Show in Shenzhen, Provinz Guangdong, Südchina, 31. Mai 2025. (Xinhua/Liang Xu)
?Wir haben Dutzende marktführende Autos gekauft und rückentwickelt, um zu erfahren, wie erfolgreiche Modelle konstruiert wurden“, erinnert sich BYD-Vorstandsvorsitzender Wang Chuanfu. Als Neuling in der Automobilindustrie verfolgte das Unternehmen einen ?zweigleisigen“ Ansatz: Es lernte die Herstellung von Benzinfahrzeugen und entwickelte gleichzeitig die EV-Technologie.
Dieser Fokus brachte China an die Spitze der EV-Revolution. Das Land baute eine komplette Industriekette auf, die Fahrzeuge, Batterien, Steuerungssysteme für Elektromotoren, autonome Fahrtechnologie, intelligente Cockpits, Ladeinfrastruktur und den Automobilersatzteilhandel umfasst.
Die Zusammenarbeit zwischen China und Europa er?ffnet neue M?glichkeiten für die Automobilindustrie. Auf seinem jüngsten Chassis Tech Day, der in seiner Zentrale in Friedrichshafen stattfand, stellte der deutsche Automobilzulieferer ZF Group sein neuestes Steer-by-Wire-System vor, das vom chinesischen Automobilhersteller NIO übernommen wurde. Durch die enge Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern nutzt ZF das schnelllebige Innovations?kosystem Chinas, um Schlüsseltechnologien in marktreife L?sungen umzusetzen und so Win-Win-Ergebnisse zu erzielen.
?Für ZF ist China unser Fitnesscenter“, sagte Peter Holdmann, Vorstandsmitglied des Unternehmens, und beschrieb den Markt als Quelle sowohl für Herausforderungen als auch für Fortschritte inmitten des Wandels der Branche hin zu Elektrifizierung und intelligenter Mobilit?t. ?Wir haben viele Kunden in China, deren Innovationsgeschwindigkeit wir nutzen, um unsere eigene zu beschleunigen.“
Gemeinsame Dekarbonisierungsziele st?rken die Partnerschaft weiter. Der chinesische Batteriehersteller Sunwoda mit Sitz in Shenzhen, der Volkswagen und Volvo beliefert, passt sich derzeit an die neuesten EU-Batterievorschriften an, die strengere Anforderungen an alle innerhalb der EU verkauften Batterien stellen. Diese betreffen gef?hrliche Stoffe, den CO?-Fu?abdruck, die elektrochemische Leistung, die Haltbarkeit, die Kennzeichnung und andere wichtige Faktoren.
?Leistungsstarke Batterien erfordern eine Dekarbonisierung entlang der gesamten Industriekette“, sagte Liang Rui, Vizepr?sident von Sunwoda. ?Als Zulieferer tragen wir eine Verantwortung.“
Auch in der chinesischen Automobilindustrie findet eine Neugewichtung der Partnerschaften zwischen inl?ndischen und ausl?ndischen Automobilherstellern statt. Vor einem Jahrzehnt folgte die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland einem Muster, bei dem Deutschland die Technologie lieferte, w?hrend China die Produktion übernahm, so Franz Raps, Dekan des College of Urban Transportation and Logistics an der Shenzhen Technology University.
?Heute entwickelt sich China rasant und wird in Wissenschaft und Technologie immer fortschrittlicher. Ich denke, die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit muss ein neues Gleichgewicht finden“, sagte Raps.